Wolfgang Bosbach spricht beim Biertalk in Sachsenhausen Klartext
Über 150 Gäste, ein Gastredner mit langer Bundestagserfahrung und ein Abend ohne vorbereitetes Manuskript: Beim Politischen Biertalk der CDU Waldeck sprach Wolfgang Bosbach Klartext zu Demokratie, Migration und Wirtschaft – und erklärte, warum Politik nicht belehren, sondern erklären soll.
Waldeck-Sachsenhausen. Über 150 Gäste kamen am Donnerstagabend in den Landgasthof Kleppe, um auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Waldeck einen der bekanntesten Innenpolitiker der jüngeren deutschen Geschichte live zu erleben: Wolfgang Bosbach. Im Mittelpunkt des fast anderthalbstündigen Abends standen die aktuellen Herausforderungen für Deutschland, die Zukunft der Demokratie sowie Fragen der inneren Sicherheit, Migration, Wirtschaft und Bildung.
Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Bundestagsabgeordneten Jan-Wilhelm Pohlmann, der mit einem Augenzwinkern von der unkomplizierten Einladung des prominenten Gastes berichtete. Statt eines förmlichen Vortrags erlebten die Besucher einen frei gesprochenen, unterhaltsamen und nachdenklichen Streifzug durch Politik und Gesellschaft, den Bosbach immer wieder mit persönlichen Anekdoten aus seinem langen politischen Leben verband. Von 1994 bis 2017 gehörte er dem Deutschen Bundestag an, unter anderem als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Innenausschusses.
Bosbach machte deutlich, dass unterschiedliche politische Auffassungen zu einer lebendigen Demokratie gehören – entscheidend sei, andere Meinungen auszuhalten und respektvoll zu diskutieren. „Politik soll nicht belehren, sondern erklären“, umschrieb er seine Rolle für den Abend. Mit einem Augenzwinkern sprach er auch über das Verhältnis der Bevölkerung zur Politik: Viele Menschen würden behaupten, Politiker nicht zu mögen – im persönlichen Kontakt fänden sie diese aber meist durchaus sympathisch. Das zeige, wie wichtig unmittelbarer Kontakt zwischen Politik und Bürgern sei.
Ein zentrales Thema war das demokratische Engagement. Bosbach wies darauf hin, dass sich viele Menschen zwar als politisch interessiert bezeichneten, nur die wenigsten davon aber tatsächlich Mitglied einer Partei seien. „Demokratie ist darauf angewiesen, dass die Menschen mitmachen“, so Bosbach, der den ehrenamtlichen Lokalpolitikern im Saal ausdrücklich dankte. Gerade in Städten und Gemeinden seien Vereine, Feuerwehren, Kirchen und ehrenamtlich engagierte Bürger unverzichtbar – ein Gedanke, der auch für Waldeck und seine Ortsteile besondere Bedeutung besitzt, wo das gesellschaftliche Leben wesentlich von Menschen getragen wird, die vor Ort Verantwortung übernehmen.
Bosbach kritisierte zudem den zunehmend rauen Ton in der politischen Auseinandersetzung und appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, sich selbst einzumischen, statt Politik nur zu beobachten. Beim Thema Migration erinnerte er an die vielen Erfolgsgeschichten von Einwanderern, mahnte aber, klar zu unterscheiden zwischen Menschen, die Deutschland als Arbeits- und Fachkräfte benötigt, und Menschen, die Schutz brauchen – entscheidend sei zu wissen, „wer zu uns kommt, mit welcher Identität, aus welchem Land“.
Mit Blick auf Wirtschaft und Wohlstand warnte Bosbach davor, Deutschlands wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als selbstverständlich anzusehen: Nur eine starke Wirtschaft könne den Sozialstaat dauerhaft finanzieren. Bürokratie und Fachkräftemangel stellten gerade den ländlichen Raum vor große Herausforderungen. Eine Schlüsselrolle komme dabei der Bildung zu: „Wer nichts im Boden hat, muss was in der Birne haben.“
Zum Abschluss unterstrich Bosbach, dass es trotz aller Mängel ein Glück sei, in Deutschland geboren zu sein, hier leben und arbeiten zu können – dieser Wohlstand sei jedoch kein Selbstläufer, sondern müsse von jeder Generation neu erarbeitet werden.
Das Schlusswort übernahm der hessische Kultusminister und CDU-Kreisvorsitzende Armin Schwarz, der Bosbach für seinen Besuch dankte und ihm zum Abschied einen Präsentkorb mit regionalen Produkten überreichte. Bei Autogrammen und gemeinsamen Fotos zeigte sich einmal mehr, welchen Wert die direkte Begegnung zwischen Politik und Bevölkerung besitzt.